Online einkaufen oder doch lieber im Laden?

Brauche ich etwas, stelle ich mir immer wieder die Frage: suche ich online oder in Läden in der Stadt. Bequemer ist es für mich, online zu suchen. Und was ist nachhaltiger: online oder im Laden einkaufen?

Deshalb hab ich mich einmal durch die verschiedenen Studien gelesen und auch für Euch hier zusammengefasst. Falls Euch selbst nach Lesen zumute ist: Die Studien sind vom Umweltbundesamt (2020), Umweltbundesamt (2021), vom Deutscher Bundestag (2021) und vom Öko-Institut (2019).

Das kurze Ergebnis: Alle Studien kommen auf einen gemeinsamen Nenner: es kommt darauf an. Na super. Damit kann man ja richtig etwas anfangen. Deshalb drösele ich Euch mal hier die Faktoren auf, auf die es ankommt, ob es nachhaltiger ist, online einzukaufen oder lieber im Laden. Dazu schauen wir uns am besten einmal an, wie so der Weg eines Produktes in beiden Fällen ist.

Der Weg eines Produktes

In beiden Fällen muss das Produkt erst mal hergestellt werden und wird dann vom Hersteller zu einem Lager des Händlers gefahren/geschifft/geflogen. Die Produkte haben neben ihrer eigentlich Produktverpackung noch weitere Verpackungen. Je nach Größe der Produkte werden mehrere Produkte in einen Karton verpackt, die dann auf Paletten gestapelt und meist mit Plastikfolie umwickelt werden. Die Paletten werden dann im Lager des Händlers ausgepackt. Manchmal gibt es vor allem für kleinere Geschäfte zusätzlich noch einen Großhändler, bei dem die Ware zwischendurch auch noch hingefahren werden muss. Die Lager des Händlers sind meist bereits in Deutschland oder im angrenzenden Ausland. Zum Beispiel habe ich mein neues iPhone aus einem tschechischen Lager bekommen.

Dann gehen die Prozesse zwischen Online Handel und stationärem Handel auseinander. Beim Online Handel passiert erst wieder etwas, wenn ein Kunde via Webseite/App bestellt. Dann wird das Paket zusammengestellt, verpackt und an einen Logistikdienstleister wie z.B. DHL übergeben, der sie dann von einem Paketzentrum zum nächsten fährt und dann von dort direkt an den Kunden ausliefert. Die Kunden packen die Produkte dann aus und haben dann als Abfall sowohl die Versandverpackung als auch die Produktverpackung. Gefällt das Produkt nicht, kann der Kunde es einfach zurücksenden.

Im stationären Handel werden die Waren von dem Zentrallager manchmal noch auf kleinere regionale Lager verteilt und von dort dann direkt zum Geschäft gefahren. Häufig packen erst die Händler vor Ort die Paletten aus, entsorgen die Umverpackung und präsentieren die einzelnen Waren in ihren Produktverpackungen. Um die Produkte kaufen zu können, kommt ein Kunde zum Geschäft – mal zu Fuß, mal mit dem Fahrrad, mal mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto. Dort stellt er sich selbst seine Produkte zusammen, packt sie ein und bringt sie dann nach Hause. Zu Hause muss er nur noch die Produktverpackung entsorgen. Gefällt das Produkt nicht, kommt es auf die Kulanz des Händlers an. Eventuell kann der Kunde das Produkt zurückbringen oder muss schauen, wie er es wieder los wird.

CO2-Fußabdruck Online einkaufen vs. im Laden einkaufen

Es gibt also die Schritte Bestellung, Lager/Geschäft, Weg der Ware vom Lager/Geschäft nach Hause und eventuell wieder zurück. Dazu kommt noch die Versand-/Einkaufsverpackung.

SchrittOnline Handel Emissionen in CO2-Äquivalentenstationärer Handel Emissionen in CO2-Äquivalenten
Bestellung5-60 g0 g (ABER: eventuell vorher online recherchiert)
Lager / Geschäft20-120 g300-4.400 g
Lieferung / Weg zum Geschäft200-400g0g (zu Fuß, Fahrrad) | 290g (U-/S-Bahn 5km) | 600-1.100g (PKW 5km)
Versandverpackung / Einkaufsverpackung20-1.000g0g (selbst mitgebracht) – 130g (Plastiktüte)
Summe245 – 1.580 g300 – 5.730 g
Vergleich online oder im Laden einkaufen am Beispiel für einen 50€ Einkauf, Quelle: Umweltbundesamt S. 30f.

Geht man vom Durchschnitt aus, verbraucht ihr beim online shoppen weniger CO2 als beim Einkaufen im Laden. Allerdings habt viel selbst in der Hand und könnt Euren ökologischen Fußabdruck mit beeinflussen. Dabei helfen Euch die folgenden Fragen.

Was kann ich beitragen?

Energieverbrauch Lager/Laden/Webseite

Den Energieverbrauch von Lagern, den Läden oder der Webseite könnt ihr natürlich nicht wirklich beeinflussen, aber ihr könnt Euch ein paar Fragen stellen.

Das könnt ihr konkret tun beim Online einkaufen:

  • Anbieter wählen, die auf der Webseite schreiben, dass sie Ökostrom nutzen
  • Videos mit geringerer Auflösung anschauen (720p reicht meist aus)

Das könnt ihr konkret tun beim im Laden einkaufen:

  • Läden meiden, die im Sommer eine Klimaanlage anmachen
  • lieber in enger bestückten Läden einkaufen. Viel Freifläche sieht zwar chic aus, muss jedoch auch geheizt/gekühlt werden.
  • Lebensmittel in Läden einkaufen, die Kühltheken hinter Glastüren haben

Weg vom Lager/Laden nach Hause

Online einkaufen:

  • wenn möglich DHL wählen. Momentan ist DHL der nachhaltigste Versanddienstleister. Die haben bereits eine ganze Reihe Zustellfahrzeuge auf Elektrofahrzeuge umgestellt, nutzen Ökostrom in ihren Verteilzentren und Lagern und kompensieren den Rest der Emissionen, die sie nicht wegreduziert bekommen.
  • mehrere Sachen auf einmal bestellen statt einzeln
  • Lieferungen bündeln lassen (entweder direkt auswählen oder ins Freitextfeld schreiben)
  • Standardversand wählen (können die Logistiker besser planen und fahren seltener)

Im Laden einkaufen:

  • Mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Laden.
  • Ist dies nicht möglich, öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Ein PKW lohnt sich nur, wenn ihr wirklich viele Sachen auf einmal einkauft – ansonsten ist der Transport durch Logistiker meist ökologischer.f

Verpackung

Online einkaufen:

  • Manche Händler schreiben, wie sie verpacken. Meist weiß man es jedoch nicht. Da hilft nur: sich merken, wie es beim letzten Mal war.
  • Am besten ist eine Versandverpackung, die genauso groß ist wie die Produkte und wenig Füllmaterial brauchen.
  • Das Füllmaterial sollte lieber aus Maischips oder zerknülltem Recyclingkarton bestehen als aus Kunststoff-Luftpolstern.
  • Verpackung weiter nutzen. Falls nicht möglich sowohl Verpackung als auch Füllstoff im Papiermüll bzw. in der Gelben Tonne entsorgen. Die Maischips könnt ihr entweder behalten falls ihr auch mal etwas zerbrechliches versenden wollt oder ihr könnt sie in der Biotonne / eurem Kompost entsorgen. Achtung, es gibt auch Verpackungschips aus Polystyrol. Die sind zwar auch recyceltes Plastik, aber immer noch Plastik und gehören in den gelben Sack. Wenn ihr Euch unsicher seid, welchen Chip ihr vor euch habt, macht ihn mal nass. Die Maisstärkechips kleben dann oder lösen sich auf.

Im Laden einkaufen:

  • eigene Tasche mitbringen

Rückgabe

Online einkaufen:

  • Denke am besten vorher drüber nach, ob du das Teil wirklich brauchst.
  • Wenn du unsicher über die Größe bist, miss vorher. Schreib dir deine eigenen Maße am besten auf, so dass du nicht jedes Mal wieder mit dem Maßband rumfriemeln musst.

Im Laden einkaufen:

  • Es gibt kein gesetzliches Rückgaberecht, wenn ihr im Laden einkauft. Dennoch sind viele Händler kulant.
  • Sachen vorher ausprobieren – sowohl Größe als auch wenn möglich Funktion.
  • Wenn doch mal etwas zurück muss: bitte zu Fuß, mit dem Fahrrad oder beim nächsten Einkauf mitnehmen.

Fazit

Es gibt keine pauschale Antwort online einkaufen oder lieber im Laden einkaufen ökologisch sinnvoller ist. Das ist eine gute Nachricht. Denn so hast du die Wahl, dir das jeweils beste herauszupicken. Besonders wichtig beim Online Shopping ist es, Deine Einkäufe zu bündeln, einen Anbieter mit ökologischen Versandwegen auszuwählen, Standardversand statt Expressversand zu wählen. Das wichtigste ist allerdings, dir vorher zu überlegen, ob du das Teil wirklich brauchst. So vermeidest du Rücksendungen oder auch, dass einfach irgendwas ungenutzt zu Hause rumliegt.

Beim Einkaufen im Laden ist es besonders wichtig, dass du zu Fuß oder mit dem Rad zum Laden kommst und deine eigene Tasche mitbringst. Das geht natürlich nur in der Stadt. Brauchst du wirklich dein Auto zum Einkaufen, gilt auch hier: bündele deine Einkäufe.